Man muss nicht gleich die Welt umrunden

wvs-kanutreff2015-4Ein persönlicher Saison-Rückblick

Mit einem rasanten Kaltstart Anfang April begann meine dritte Saison als spät berufene Paddlerin beim Wassersport-Verein Süderelbe in Harburg-Wilhelmsburg. Die Profis nannten es „vorgezogenes Anpaddeln“, weil der Wettergott 2015 es gut zu meinen schien . . .

Am Freitag kam die E-Mail vom Vereinsvorsitzenden und zwei Tage später, am Sonntag früh, wurde alles was schwimmen konnte aus der Bootshalle ans Frühlingslicht gezerrt. Nicht nur ich allein war also heiß darauf, endlich wieder aufs Wasser zu kommen und deshalb froh, mich beim Wanderwart angemeldet zu haben, wollte ich doch unbedingt eines der heiß begehrten Vereinsboot abkriegen.

Alle bekannten und noch wintergrauen Gesichter fanden sich mit großem Hallo auf dem Parkplatz ein und wenig später fuhr der ganze Tross mit Kind und Kegel zur Einsetzstelle nach Hoopte. Am liebsten wäre ich mit einem lauten „Juchuh“ gleich ins nächste Kajak und rauf auf die Elbe, aber nachdem ein anderer, wohl ebenso ungeduldiger Paddler, ein erfrischendes Bad nehmen musste, stellte ich mich lieber ruhig in die Schlange und wartet, bis mich hilfreiche Arme langsam mit meinem Boot sanft ins Wasser schoben.

Den starken Wind hatte ich zwar schon am Bootshaus bemerkt, aber die Sonne schien und ich war viel zu aufgedreht, um mir darüber Gedanken zu machen. Aber kurz nachdem wir das Ilmenausperrwerk passiert und auf die Elbe eingeschwenkt waren, packt der Wind richtig zu und wenn es unten vorwärts zieht (Strömung und Tide) und oben zurück pustet (steifer Nord-West) ist Schwerstarbeit angesagt; 16 Kilometer bis zum Bootshaus - ich war also mal wieder platt und natürlich die Letzte. Gesellschaft leistete mir am Ende nur eine mitleidige „Entenmutter“ aus meinen ersten Paddlertagen und tröstete mich mit weisen Worten: „An der Winde treffen wir sie alle wieder“. Womit er ja später auch Recht hatte, aber das leise gemurmelte „wir müssen unbedingt mal wieder Technikschulungen anbieten“ habe ich auch gehört.

Der Stau an der Winde führte dann dazu, dass der Grill noch nicht lief und alle vor Hunger aussahen, als würde sie ihr Zähne gleich in die noch rohen Nackensteaks schlagen. So schnell wurde ein Salatbuffet noch nie abgeerntet. Es sah aus, wie die berühmt heiße Schlacht am kalten Buffet, Verletzte habe ich aber keine gesehen.

Später, zu Hause dann, schnell in die heiße Badewanne – und siehe da, mein Körper erinnerte sich wohl tatsächlich noch an die Bewegungsabläufe aus der letzten Saison, denn der Muskelkater am nächsten Tag hielt sich in Grenzen.

Apropos Wettergott: Es folgte ein eiskalter Mai und meine Arm- und Rückenmuskeln konnten sich erst einmal wieder beruhigen. Dafür kümmerte ich mich verstärkt um die unteren Muskelgruppen und joggte durch Harburgs Straßen, Parks und Wälder.

Das Wetter blieb dann eigentlich den ganzen Sommer über unberechenbar und manch ein Donnerstagabend auf der Elbe wurde ungemütlich und nasskalt. So wie der, an dem sich die „Alten“, eingeladen von den „Jungen“, am Bootshaus an der Außenmühle trafen. Neugierig darauf, wie Kanupolo aussieht und was am Standup Paddling so aufregend ist, dass in Hamburg seit ein paar Jahren auf jedem Abwasserkanal im Stehen gefahren wird, wollte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen.
Kanupolo ist irgendwie wie American Football auf dem Wasser und es wäre vermutlich einträglicher, blaue Flecke statt Tore zu zählen, so ruppig  geht es dabei zur Sache. Die lütten Boote sehen aus wie kleine Rammböcke und die „Poloten“ sitzen drin, als wären sie damit verwachsen. Definitiv also nix für mich alte Schaluppe. Dann also lieber mal SUP ausprobieren. Keiner der wasserfesten Elbpaddler ließ sich lange bitte und stellte sich der Herausforderung - wie konnte ich da kneifen?! Mit leicht flauem Gefühl im Magen stieg ich auf das Brett, wollte ich mein erstes, unfreiwilliges Bad doch nicht unbedingt vor aller Augen in dieser schlammigen Pfütze hinlegen. Breitbeinig und krummrückig stakte ich vorwärts, der Wind blies kräftig, es nieselte von oben und nach einer tapferen Runde um den Teich kam ich mehr oder weniger trocken wieder auf dem Steg an. Vielleicht lag es ja am miesen Wetter aber, die jungen Leute mögen es mir verzeihen: warum eigentlich stehen, wenn ich auch sitzen kann? Ein gemütliches Wanderkajak unter dem Hintern ist, das habe ich auch in meiner dritten Saison festgestellt, genau das Richtige für mich. Ich bleibe eine entspannte Schönwetterfahrerin die sich einbildet, durch fleißiges paddeln zur Sauerstoffanreicherung der Elbe beizutragen.

Wenn es am Donnerstagabend richtig dick kam, gab es neben reichlich Schiffsverkehr noch Nieselregen und kräftigen Wind aus der Gegenrichtung. Und während ich einmal noch dagegen kämpfte, nicht vom Wind mit dem Kajak ins Uferschilf gedrückt oder gleich ganz um geblasen zu werden, geschah es mal wieder direkt vor meinen Augen. Ein Paddler kippte samt Boot zur Seite und tauchte eine gefühlte Ewigkeit nicht wieder auf. Was tun? Panik stieg in mir hoch, ich muss doch helfen! Und schwupps, wie ein Korken, kam der Paddler auf der anderen Seite wieder hoch. Zum wievielten Mal ich schon auf diese verdammten Eskimorollen herein gefallen bin, fluchte ich innerlich. Jedes Mal bleibt mir fast das Herz stehen weil ich mir nicht vorstellen kann, wie jemand freiwillig mit dem Kajak umkippen, ein gefühlte Ewigkeit kieloben treiben und dabei eine Portion Elbwasser schlucken kann.

Wenn die launische Elbe gut zu dir ist, schenkt sie dir am Donnerstagabend eine günstige Tide, die dich auf dem Rückweg ohne Kraftanstrengung zum Bootshaus trägt. Die untergehende Sonne scheint dir ins Gesicht, der Seeadler bleibt entspannt auf seinem angestammten Ast sitzen und kein Binnenschiff macht die dicke Welle. Am Bootshaus warten ein paar lecker belegte Brötchen, die obligatorischen Würstchen und nette Gespräche in lustiger Runde. Das alles war auch in dieser Saison wieder mein kleines Paddlerglück.

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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 12. November 2015 um 21:46 Uhr

 

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