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Seit einem Betriebsausflug Anfang der 80er Jahre in die Fränkische Schweiz hegte ich immer wieder den Wunsch, in diese Region Oberfrankens / Bayern zurückzukehren. Da es in Deutschland überall Flüsse gibt, hatte ich keine Bedenken, eine Paddeltour dorthin anzubieten.Bei einem geselligen Beisammensein nach einem WVS-Paddeltreff bei Würstchen und Brot entlarvte sich Rainer für Franken als ortskundig. Er legte uns Bamberg, dessen Innenstadt den Status eines UNESCO-Kulturerbes hat, für einen Besuch nahe. Er hatte Tipps für Paddelausflüge, empfahl uns den Faltbootclub als Standquartier und stellte uns seinen Kanu-Wanderführer für Bayern zur Verfügung. Bevor wir uns auf den Weg machten, habe ich mit dem Wanderwart der Faltbootclubs, Armin Hein, Kontakt aufgenommen. Ich holte Erkundigungen bezüglich des Wasserstands ein. Erfahrungsgemäß fällt im Süden Deutschlands weniger Niederschlag.

 

Nach unserer Arbeit am Donnerstag, dem 11.08.2011, sind Inga, Axel und Hauke sowie Jürgen und ich losgefahren. Da Jürgen und ich keine Kajaks transportieren mussten, haben wir die 550 km auf der A7 und der A70 trotz der vielen Baustellen in 5 Stunden geschafft.  „In Franken dreht sich alles um´s Essen“, weshalb es nicht verwunderlich war, dass der Faltbootclub bewirtschaftet ist. Freundlicherweise hat uns der Wirt nach unserer Ankunft um 22.00 Uhr noch eine Pizza in den Ofen geschoben. Um ca. 24.00 Uhr sind Inga, Axel und Hauke eingetroffen. Alle drei von der anstrengenden Fahrt geschafft.

Unser Schlaf am nächsten Morgen wurde durch einen benzingetriebenen Steinschneider beendet. Die Vorbereitung für die Landesgartenschau 2012 sind derzeit im vollen Gange und das Faltbootclub-Gelände zum Schutz der Gartenschau-Baustellen von hohen Drahtzäunen umgeben. Kurzentschlossen siedelten wir auf den Campingplatz in Bamberg-Bug um. Dort hatten wir am Ende der Campinginsel ein lauschiges Plätzchen direkt an der Regnitz ausfindig gemacht.
Den ersten Tag unseres Aufenthalts schauten wir uns die Altstadt Bambergs an und schafften mit der Besteigung des Dombergs und des Michaelsbergs einige Höhenmeter. Am Nachmittag waren Christel und Hartmut beim Standquartier eingetroffen. Aus gesundheitlichen Gründen musste Gerd kurzfristig absagen. Ihm wünschen wir an dieser Stelle gute Besserung! Obwohl die Sommernacht zunächst lau war, waren wir dann froh, als wir uns zur fortgeschritten Stunde in deren Pavillon begeben konnten.

Unter Berücksichtigung unserer Boote - u.a. ein Puch RZ85 und ein Kunststoff-2erKajak - haben wir uns am Samstag gegen die kurvenreiche, idyllisch gelegene Wiesent entschieden, da die anvisierte Strecke zwischen Sachsenmühle und Ebermannstadt dreimal umtragen bedeutet hätte. Häufiges Umtragen stand uns auch bei unserem Favorit für den Sonntag bevor.  Ziel unserer Samstagsausfahrt war deshalb der Obermain.
Bei Unnersdorf/Bad Staffelstein (km 419,9) setzten wir ein und paddelten bis Unterleiterbach (km 406,2). Der Obermain wurde vor Kurzem Renaturierungsmaßnahmen unterzogen. Kurvenreich schlängelt er sich zwischen Naturpark Haßberge und dem Naturpark Fränkische Schweiz dahin. Am Flussufer sind immer wieder Sandbänke oder inmitten des Flusses kleine Inseln. Schwellen sorgen für ein bisschen Nervenkitzel. An und auf dem Obermain kann man sich gut einen ganzen Tag oder mehrere Tage aufhalten. Immer wieder gibt es kurze Abzweigungen, welche zu stillgelegten Baggerseen führen, deren Ufern begrünt oder besandet sind und zum Baden einladen. Wir hatten unsere Mittagspause auf dem Sandstrand des Baggersees an der Gemeinde Wiesen verbracht. Hinter dem Sandstrand befindet sich eine Wiese, auf welcher wir ebenfalls gut hätte picknicken können. Der Rand dieses Rastplatzes ist von Holzskulpturen umsäumt, was Wiesen den Touch eines Künstlerdorfes vermitteln kann. Christel und ich haben einen kurzen Abstecher in den 5 Minuten entfernten Stadtkern gemacht. Der formschöne Zwiebelturm der Dorfkirche hatte uns angelockt. Geschützt durch ein schmiedeeisernes Gitter konnten wir die barocken Kunstschätze bewundern, die zusätzlich zum üppigen Hochalter das Kirchlein schmückten. Wären wir weiter in das Dorfinnere vorgedrungen, hätten wir sicherlich auch einen Dorfgasthof mit Biergarten und selbstgebrauten Bier vorgefunden, wie es für diese Gegend typisch ist (höchste Brauereidichte in Deutschland!). 

Während Inga, Axel und Hauke abends auf dem Campingplatz an der Regnitz grillten, haben wir vier anderen uns unter die Einheimischen gemischt. Auf Empfehlung eines Ansässigen haben wir den auf dem Kaulberg gelegenen „Spezial Keller“ besucht. „Keller“ nennt man dort jeden Biergarten und jede Schankwirtschaft, da diese üblicherweise über einen Bierkeller verfügen, auch wenn dieser auf dem Berg liegt. Bei Schäufele (Schweineschulter) mit Kraut, Soß´ und Kloß, Wurstsalat mit Musik und Ziebeleskäs (Kräuterquark) saßen wir unter hohen Linden mit Blick auf Bamberg mit Dom, St. Michael und andern Kirchen. Dazu spielte eine 5köpfige Band mit breitem Musikrepertoire.

Am Sonntag machten wir ohne Christel eine Rundtour von unserem Standquartier durch die Bamberger Innenstadt (ca. 20 km). Christel bummelte durch die historische Innenstadt und machte Weihnachtseinkäufe. Wir anderen starteten bei km 9,8. Nach dem Ruderverein an der funktionsunfähigen „Alten Schleuse 100“ (km 5,9) mussten wir zum ersten Mal umtragen. Wir hatten Glück. 4 Wochen vorher hatte Bamberg die Ausstiegsstelle und den Weg an der „Alten Schleuse 100“ neu angelegt. Nicht erneuert waren jedoch die Einstiegstellen. Auf alten, schmalen und ausgetretenen Steintreppen mussten wir unsere Kajaks die steile Böschung 5 – 7 m hinunter in den alten Ludwig-Donau-Main-Kanal manövrieren. Als Entschädigung für diese Strapaze haben wir das reiche Angebot von reifen Brombeeren empfunden, welche lediglich vom Wasser aus pflückbar waren. An uns vorbei zogen die ersten venezianischen Gondeln. 700 m weiter, wo der Kanal in den linken Regnitzarm mündet, gelangten wir an das mit plastischen Fresken aus dem 18. Jh bemalte alte Rathaus unter dessen Flussbrücke am Wehr sich eine Slalom-Strecke befindet. Hartmut war die Strecke gefahren und wurde dort zur Touristenattraktion. Die Rathausbrücke füllte sich und diese Show wurde insbesondere von den Asiaten fotografiert oder gefilmt. Hätte Hartmut eine Spritzdecke gehabt, hätte er für mehr Spektakel sorgen können. Kurze Zeit nach diesem Intermezzo sind wir bei km 5,1 an Klein-Venedig vorbeigepaddelt – eine kleine ehem. Fischersiedlung aus mittelalterlichen Fachwerkbauten mit Balkonen und kleinen Vorgärten am Ufer der Regnitz. 

An die Schleuse des alten Ludwig-Donau-Main-Kanals / linker Regnitzarm sind wir bei km 3,5 gestoßen. Achtung, hier werden nur Personenschiffe geschleust, keine Paddler! Selbst gegen einen Obolus lässt sich der Schleusenwärter nicht „erweichen“. Details zu den Hintergründen sind bei Armin Hein, dem Wanderwart des Bamberger Faltbootclubs, zu erfahren. Bei km 2,6 sind wir rechts in den Main-Donau-Kanal (=rechter Regnitzarm) abgebogen. Hier an der Einmündung haben wir eine Pause eingelegt. Bei Kanalkilometer 3,7 liegt die DKV-Kanustation und Zeltplatz des Bamberger Faltbootsclubs. Das Flussbett vom Main-Donau-Kanal und dem rechten Regnitzarm teilt sich bei km 6,7. Der Regnitzarm führte uns zu einem 11 m hohen Wehr. Links davon haben wir die Umtragemöglichkeit genutzt. Vorsicht, die Treppen sind steil und mit Algen bewachsen! Auf gerader Strecke gelangten wir anschließend auf dem Regnitzarm vorbei an der idyllisch gelegenen Bamberger Badeanstalt mit alten roten Holzhäusern und dem Bamberger Ruderclub teilweise durchnässt zur Campinginsel an der Regnitz. Während wir anlandeten, kamen sturmartige Böen auf, denen Gewitterschauer folgten.

Am Montag, dem Abreisetag am 15.08.2011 (in Bayern Maria Himmelfahrt), gingen unsere Wege auseinander. Inga, Axel und Hauke haben sich nach dem Frühstück auf den Heimweg gemacht. Christel und Hartmut nutzen die Zeit bis zu Ihrer Abreise am Dienstag um Orte aufzusuchen, welche Christel aus Ihrer Jugend kannte. Jürgen und ich sind die Wiesent zwischen Burg Rabeneck und Ruine Neideck mit dem Auto entlang gefahren. In der Burgschenke des Schlosses Greifenstein (Sitz der Grafen von Stauffenberg) haben wir uns für die Heimfahrt mit einer fränkischen Schlachterplatte gestärkt.Mir hat diese Tour sehr gut gefallen. Wir WVS´ler aus drei Generationen hatten uns auf das vielfältige regionale Angebot eingelassen. Bamberg und dessen Umland ist eine Reise wert.

 

Details (ohne Innenstadttour) sind über folgende Links erhältlich:

www.bamberg.de
http://www.hnd.bayern.de/pegel/wasserstand/pegel_wasserstand.php?pgnr=24010004
http://www.flussparadies-franken.de/docs/obermain/Flyer_Kanuwanderweg_Druck.pdf
http://www.flussparadies-franken.de/docs/obermain/Tafel_KanuwanderwegObermain.pdf
http://www.fraenkische-schweiz.com/uploads/dateien/pdf/kanuflyer_2_Aufl_2009.pdf

 

Fotos von Inga Möller

 

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