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Vom kreisenden Adler zur Köhlbrandbrücke aus der Froschperspektive 

Eine Gemeinschaftsfahrt des Wassersportvereins Süderelbe (WVS) und dem Ring der Einzelpaddler (RdE)

Bei Sonnenschein waren wir um 8 Uhr startklar am Bootshaus des WVS bei Elbkilometer 615. Die Morgentemperatur am 23. August ließ bei der Kleiderwahl viele Optionen offen: Vom Baumwollshirt bis zur Paddeljacke mit Wollmütze war alles zu sichten.

Mit dem letzten Schwapp auflaufend Wasser ging es los zur Umrundung der größten bewohnten Flussinsel Europas, die einzigartige Landschaft, Industrie-Romantik, Hafenanlagen und zahlreiche Wasserläufe zu bieten hat.

1 Route

Am Naturschutzgebiet Heuckenlock, kurz hinter der Unterquerung der A1, kreiste ein Adler. Mit Scharfblick ließ sich sogar sein Horst in Ufernähe ausmachen. Bei Ökologieschulungen für das Wanderfahrerabzeichen werden DKV-Paddler von einem Naturkundler durch dieses einzigartige Süßwasserwatt geführt. Hier ist sogar der berühmte Schierlings-Wasserfenchel heimisch.  

3 Bunthuser Spitze

Bei Elbkilometer 610, kurz vor der Bunthäuser Spitze fiel das Paddeln plötzlich weniger leicht: Tidenkipp! Noch ein wenig gegen den Strom, dorthin wo der Fluss sich in Norder- und Süderelbe teilt und auf 15 Kilometern ein Binnendelta bildet, das die Elbinseln Wilhelmsburg, Veddel, Kleiner Grasbrook und Steinwerder umschließt.

Alle Aktiven nahmen die Anregung zum Austausch zwischen den beiden Elbvereinen plaudernd auf und verpassten sogar den Anblick des Kleinen Leuchtfeuers Bunthäuser Spitze, das bei hohem Schilfbewuchs nur schwer zu sehen ist. Unsere Flotte bestand aus 17 Einerkajaks und einem Zweier, davon wurden 10 von WSVlern und 9 von RdEten gepaddelt.

2 Auf der Sderelbe

Auffrischender Wind und ablaufendes Wasser ließen uns auf den nächsten Kilometern Norderelbe zügig vorankommen. Der Abzweig zur Dove Elbe wurde wegen der angeregten Gespräche weitgehend übersehen, und schon unterquerten wir erneut die A1 und konnten in der Ferne bereits die Kirchtürme von St. Jacobi und St. Petri sehen. Wenig später bot sich zur Rechten ein Industriedenkmal vom Feinsten, das Hauptgebäude der Wasserkunst Kaltehofe, ehemals Elbwasserfiltrierwerk von 1892 mit Erkern und Türmchen.

Doch in der Fahrrinne boten zur gleichen Zeit die Heckwellen eines Binnenschiffs Gelegenheit zum Surfen, was aufregender war als Backsteinromantik.

Nach zwei Stunden erreichten wir unseren Pausenplatz, das Bootshaus der Niederdeutschen Wanderpaddler (NW) in der Billwerder Bucht. Hier durften wir freundlicherweise anlanden und die Waschräume nutzen. So war bei dieser Gemeinschaftsfahrt in gewisser Weise auch ein dritter Elbverein im Bunde.

4 Pausenplatz mit Kaffeklatsch

Als die Kuchenkreationen des RdE gereicht wurden, staunte manch ein WVSler nicht schlecht und wurde flugs über diese schöne Tradition aufgeklärt: Hier wird am Vortag gebacken, um lange vor dem eigentlichen Ausflug Appetit aufs gemeinsame Paddeln und Genießen zu bekommen.

Spätestens am Sperrwerk Billwerder Bucht hatten wir den naturnah wirkenden Teil unserer Inselumrundung hinter uns gelassen. Auf Höhe des Goldenen Pavillons bei Entenwerder querten wir die Norderelbe bei kräftigem Gegenwind, und mit der Einfahrt in den Peutekanal war die Idylle weitgehend vorbei.

5 Einfahrt in den Peutekanal

Nun paddelten wir an meterhohen Spundwänden vorbei, diversen Hafenbetrieben, dem IBA-Dock und der S-Bahn Station Veddel. Im Spreehafen hatte manch einer die Orientierung verloren. Vorbei an Hausbooten und ehemaligen Liegern - den Pontons der Ewerführer mit Büro und Werkstatt - punktete Wilhelmsburg mit seiner enormen Vielfalt. Die meisten RdEten sahen diesen Teil des Hafens zum ersten Mal. Beim Vorbeifahren an der Ernst-August-Schleuse und unterhalb der Klütjenfelder Strasse mit seinem schwebenden Radweg hatten die WVSler eindeutig Heimvorteil. Vor der Ellernholzschleuse wurde uns die Wahl gelassen: entweder auf dem kürzeren Weg durch Reiherstieg und Rethe zur Süderelbe, oder schleusen lassen und durch Roßhafen und Roßkanal zum Köhlbrand. Die Mehrheit entschied sich für die lange Runde. So sahen einige die Köhlbrandbrücke zum ersten Mal von unten und kamen an der Ölmühle auf Tuchfühlung mit der Bordwand eines Tankers. Dieser präsentierte neben einer 300 Meter langen Stahlwand auch einen Anker in Kleinwagengröße, der in schwindelnder Höhe hoffentlich gut festgemacht war.

8 Khlbrandbrcke von ganz unten

Die andere Gruppe konnte im Reiherstieg die Altenwerder Schiffswerft sehen, die letzte ihrer Art am Reiherstieg, wo es in vorigen Jahrhunderten zahlreiche Werften gab. Hier wurden einst legendär gewordene Segler gebaut, die von Hamburg aus bis ans andere Ende der Welt segelten.

Das Strahlen auf manchen Gesichtern überdauerte auch die einsetzenden Böen und den Regenguss kurz vor dem Ziel. Für drei Neulinge vom WVS war es ihre erste große Ausfahrt.

Das Wasser war beim Anlanden bereits weit abgelaufen, und wir packten gemeinsam an, um die Boote über den Schlick zu hieven. Ruckzuck standen wir gemeinsam im Trockenen vor dem Bootshaus des WVS und waren uns einig: In Zukunft wird es weitere Gemeinschaftsfahrten der Elbvereine geben, und dann möchten wir auch den NW mit ins Boot holen.

Vielen Dank an Frank Bremer vom RdE und Hendrik Pinnau vom WVS für die tolle Organisation.

Die Neumitglieder bekamen ihr erstes Fahrtenbuch überreicht, in das sie – je nach Strecke - 27 oder 31 Kilometer eintragen konnten.

Dieser Bericht wird in beiden Vereinsmagazinen abgedruckt. Bruni Pinnau, Kulturbeauftragte, RdE

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