Bärbel E. und Frank R. luden zu einer Finkenwerder-Wander-Runde ein, bei der verschiedene geographische und geschichtliche Aspekte in den Blick genommen wurden.
Wir starteten in der Nähe des Finkenwerder Kutterhafens, sahen typische Schumacher-Siedlungen und neue Mietshäuser, die sich der tradierten Architektur gut anpassten. Wir spazierten parallel zum Steendiekkanal zum Rüsch-Park, den es seit Mitte der 1990er Jahre gibt und nach dem dortigen Rüsch-Kanal benannt ist – auch, wenn es damals andere Namens-Vorschläge gab wie etwa „Cap-Arcona-Park“ – (dazu unten mehr).
Unter einigen Aussichts-Ausbuchten im Park verbergen sich Reste der 1918 errichteten „Deutschen Werft“, wo in den 1940er Jahren auch U-Boote gebaut und repariert wurden – davon zeugen diese Ruinen.

In der „Deutschen Werft“ arbeiteten seit 1940 Zwangsarbeiter*innen, 1944 wurde ein Außenlager des KZ-Neuengamme eingerichtet – viele starben durch Arbeit. Die Menschen, die nicht durch Arbeit auf der „Deutschen Werft“ starben, starben beim Untergang der „ Cap Arcona“ oder der „Thielbek“ - eine Gedenktafel vor Ort erinnert an die Ermordeten.


Der Weg führte uns weiter Richtung Airbus- ein Unternehmen, das der ehemaligen Elbinsel ein anderes Aussehen verlieh und weiter, auch in die Landschaft, ins Wasser expandierte.
Nach einer kurzen Einkehr ging es weiter durch Gartenbau-Anlagen Richtung „Alte Süderelbe“. Dort findet man verschiedene Hinweise auf Deichdurchbrüche bei der Sturmflut 1962. Auch Mitwandernde bzw. deren Eltern mussten die Sturmflut 1962 und ihre Folgen miterleben.
Der Blick auf die „Alte Süderelbe“ – nun ein langgestreckter See - war sehr erholsam: Obstbäume, Eisflächen, große Vögel (Adler?), eine Schafherde im Winterquartier. Wir sahen viele Protestplakate gegen die Öffnung der „Alten Süderelbe“: Es gibt politische Vorhaben, die „Alte Süderelbe“ wieder an die Tideelbe anzubinden, um den Tidenhub und damit die Verschlickung zu reduzieren.. und somit den Fortbestand dieses Naturschutzgebiet und der Obsthöfe zu gefährden.
Bärbel informierte uns, dass die sanften Hügel auf der anderen Süderelbseite keine Ausläufer der Harburger Berge wären, sondern schlicht, Schlick-Berge: Wie bekannt, muss die Elbe fortwährend entschlickt werden, damit große Schiffe den Hafen erreichen können. Der Schlick ist jedoch schadstoffreich und muss gewaschen werden. Diese „Waschmaschine“ heißt Metha und die Schlick-Berge sind Schlick-Wasch-Endprodukte und stellen so künstliche Erhebungen der Landschaft dar.

Wir ließen die Wanderung in einer Gaststätte ausklingen und berieten, ab wann wir wieder, eisschollenfrei, die Süderelbe erpaddeln können.


